AblenkungsdiskussionenStatt über die finanziellen Folgen einer sachgerechten Bestimmung des Pflegebedarfs hat Gesundheitsminister Rösler eine öffentliche Diskussion begonnen, ob und wie Angebot und Bedarf an Pflegekräften zum Ausgleich gebracht werden können. Zweifellos eine wichtige Frage, die aber sehr eng mit der finanziellen Ausstattung der Pflegeversicherung zusammenhängt. Die geforderte höhere Anerkennung für die Arbeit Pflegender wird man nicht mit einem Gedenktag und mehr Bundesverdienstkreuzen erreichen, sondern mit einer Bezahlung, die den Anstrengungen des Berufs gerecht wird. Seine Kabinettskollegin Familienministerin Schröder hat sich dann im Werfen von Nebelkerzen mit einem eigenem Beitrag beteiligt. Sie möchte einen Anspruch auf "Urlaub" (Tütelchen, weil nicht an Erholung am Strand, sondern harte Arbeit am Bett gedacht ist). Bezahlen sollen es letztlich die Betroffenen selber, weil sie wie bei Arbeitszeitkonten diese Form der Flexibilisierung selber finanzieren. Darüber kann man als eine Möglichkeit diskutieren, aber es ist nicht die Antwort auf steigenden Pflegebedarf, denn schließlich ist gleichzeitig angestrebt, die Erwerbsquoten von Frauen und Männern zu erhöhen. Das es faktisch zu einer Festschreibung tradierter Frauenrollen käme, ist ebenfalls absehbar, auch wenn es nicht beabsichtigt sein mag. Aber Politik ist nicht nur dafür verantwortlich, was sie anstrebt, sondern auch, was sie nicht will, aber was absehbar ist. |
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