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Meldungen + Meinungen

ARZNEIMITTEL

Meldungen und Meinungen 2010/07

Der Gesundheitsausschuss der BARMER GEK hat sich auf einer zweitägigen Klausur intensiv mit dem Arzneimittelmarkt beschäftigt. Nicht ohne Grund, denn nach den Ausgaben für Krankenhausaufenthalte ist das der größte Ausgabenposten der BARMER GEK. Professor Glaeske aus Bremen hat uns in die Probleme eingeführt. Dabei ging es nicht in erster Linie um das liebe Geld, sondern die Qualität der Versorgung.

Bei der Arzneimittelversorgung haben wir zwei große Problembereiche diskutiert, nämlich die Versorgung älterer Menschen und von Heranwachsenden. Kranke Menschen über 65 Jahren nehmen im Durchschnitt täglich neun Medikamente ein. Unbestritten sind Medikamente häufig unverzichtbar, aber das Erschreckende ist, dass das Zusammenwirken unterschiedlicher Medikamente schlecht untersucht ist, oder bei der Verschreibung nicht beachtet wird. Psychopharmaka werden häufig geradezu leichtsinnig verschrieben. Je mehr Medikamente ein Mensch schlucken soll, desto größer ist auch das Risiko, dass bei der Medikation Fehler vorkommen oder der Patient sich nicht an die Dosierungsregeln hält. Die Antwort kann nur sein, in den Verträgen mit den Leistungserbringern durch die Krankenkasse auf Qualitätsstandards zu dringen. Nicht nur bei Älteren, sondern in allen Altersgruppen werden z. B. Antibiotika verschrieben, obwohl sie nutzlos sind. Wenn ein Patient aber auf Antibiotika zur Heilung angewiesen ist, wirken sie nicht mehr, weil der Körper dagegen immun geworden ist.

Im Juli fand in Berlin auf Einladung der BARMER GEK ein öffentlicher Kongress zum Arzneimittelmarkt statt. Im Mittelpunkt standen die vom Gesetzgeber geplanten Reformen. Der Zeitpunkt war gut gewählt, weil das Arzneimittelverordnungs-Änderungsgesetz gerade in der parlamentarischen Beratung ist. Entsprechend groß war die Resonanz der Tagung. Es wurde deutlich, wie schwierig es ist zu entscheiden, ob ein neues Arzneimittel wirklich neu im Sinne innovativ ist, also eine Krankheit besser heilt als ein schon vorhandenes Medikament. Auf jeden Fall wächst der Anteil der sehr speziell für eine Krankheit hergestellten Medikamente an. Sie haben gerade in der Krebstherapie häufig eine segensreiche Wirkung, aber eben auch nicht immer. Auf jeden Fall sind sie sehr teuer. Für die Pharmahersteller ist die Einstufung als „innovativ“ von entscheidender Bedeutung, denn dann entscheiden sie – wenigstens bisher- allein über den Preis, den die Krankenkassen erstatten müssen.

Das soll sich mit dem neuen Gesetz ändern, was zunächst positiv ist. Schlecht ist, dass die Entscheidung über innovativ oder nicht innovativ auf der Basis von Studien der Pharmaindustrie getroffen werden soll. Erst dann soll es zu Verhandlungen zwischen Kassen und Arzneimittelherstellern kommen, die nach einem Jahr abgeschlossen sein sollen. Das heißt aber, ein Jahr ist im Himmel Jahrmarkt und die Verhandlungen werden auf der Basis von überhöhten Preisen geführt. Eine bessere Alternative wäre eine unabhängige Begutachtung von Beginn an.



 

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