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Frauenleben in Brandenburg - arbeitslos und dann?

Eine Junges Gemüse und altes Eisen: Bericht über eine Tagung im Rahmen der Brandenburger Frauenwoche in Cottbus

Junges Gemüse und altes Eisen: Frauen im Wandel der Generationen war das Motto der 15. Frauenwoche in Cottbus.
Ich hatte die Gelegenheit in diesem Rahmen an der Fachtagung zu den gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung teilzunehmen. Dabei ging es in erster Linie um die Beantwortung der Frage nach dem gesellschaftlichen Wandel, den wir brauchen, um zukunftsfähig für die nächste Generation zu sein.
Ich selbst wohne in Dresden und finde die immer höher kletternden Arbeitslosenzahlen, den ständigen Abbau von Arbeitsplätzen, ständige Reformen zum Dauerthema Arbeitsmarkt, Gesundheit, Rente, Steuern, immer neue unausgereifte Gesetze und eine Politik, die am realen Leben des Volkes vorbeigeht und seinen Willen oft gar nicht mehr zur Kenntnis nimmt, bedrückend und alarmierend hinsichtlich sozialem Frieden, Würde des Menschen und Perspektiven der Gesellschaft.
Cottbus als ehemalige Braunkohlenregion hat in den letzten 12 Jahren 38% der Arbeitsplätze verloren. Bedingt durch den Mangel an Arbeit wandern die Jüngeren ab. Die Stadt Cottbus hat ein Viertel der in erster Linie weiblichen Bevölkerung verloren. Durch die hohe Arbeitslosigkeit und die sich weiter verschlechternde Altersstruktur sinkt die Lebenszufriedenheit, die Kaufkraft, die Einnahmen der Stadt. Die Gesundheit der Menschen, der soziale Frieden gerät in Gefahr.
Umso mehr hat mich das Engagement, das schlichte und gesunde Selbstbewusstsein der Brandenburgerinnen, insbesondere der Cottbuser Veranstalterinnen und der Mitwirkenden beeindruckt, die mit realistischem Blick für ihre Region und darüber hinaus nach Lösungen suchen, kleinen und großen Lösungen.
In unserer Gesellschaft wird der Wert des Menschen in erster Linie über seine Stellung als Erwerbstätiger bestimmt. Somit bedeutet Arbeitslosigkeit nicht nur finanzielle Einschränkung. Es ist schwierig, gegen das Gefühl wertlos, ungebraucht zu sein anzukämpfen. Wie leicht rutscht man in die Unsicherheit, wird antriebslos, einsam und letztlich krank. Arbeitslosigkeit macht sogar in hohem Maße krank, weil Angst, Ausgrenzung und Hilflosigkeit Depressionen verursachen können, oft auch Suchtverhalten verstärken. Die Auswirkungen bekommen auch die Familien, insbesondere die Kinder zu spüren.
Es wurde eine interessante und in bescheidenem Maß aufbauende Studie aus dem ländlichen Raum Brandenburgs zur Vermittlung, mehr noch zur Wiederherstellung von Vermittelbarkeit langzeitarbeitsloser Frauen vorgestellt, die die eben getroffenen Aussagen bestätigt und darüber hinaus die Erkenntnis vermittelt, dass Frauen mit einer Aufgabe ( wie z.B. Kindererziehung, Pflege eines Angehörigen oder ehrenamtliche Tätigkeit) länger ihr Selbstwertgefühl behalten, von Depressionen und sozialem Absturz weniger oder zumindest später betroffen sind als Frauen ohne Aufgabe.
Menschen in Arbeitslosigkeit brauchen in vielen Fällen psychosoziale Hilfe, die sie bei der Agentur für Arbeit nicht finden, die das Amt sicher auch nicht leisten kann. Hier geht es knallhart um Leistungsanspruch oder nicht. Ein Teil der Arbeitslosen fällt gar nicht in die Zuständigkeit der Agentur. Er ist von vornherein ausgegrenzt und hat doch die gleichen Probleme.
Heutzutage, wo ständig von chronischem Geldmangel geredet wird, ist immer von effizienter Verwaltung die Rede. Nicht alles, was dem Rotstift zum Opfer fällt, war uneffizient. Und es erscheint unmöglich, wenn man in Menschen investiert, den finanziellen Gewinn zu ermitteln.
Aufgrund geringerer Einnahmen der Kommunen sinken die Mittel für das noch vorhandene soziale Netz. Die zunehmende Arbeit verteilt sich auf weniger Arbeitskräfte, die Existenz verschiedener Einrichtungen, Verbände und Vereine steht auf dem Spiel. Das soziale Netz, das wir immer mehr brauchen, bekommt immer größere Löcher.
Wir müssen Vorhandenes besser nutzen, ausbauen und verbessern, indem wir es auf die neuen Anforderungen einstellen und es nicht Schlechtreden oder gar gleich mit einsparen.
Interessant war für mich die Erkenntnis, wie viele Frauen (je nach vorhandenen Mitteln in der Kasse der Kommune oder durch Fördergelder) mal Sozialarbeiterin und mal selbst betroffene Arbeitslose sind. Diese Frauen wissen genau wovon sie reden, weil sie beide Seiten kennen gelernt haben.
Es ist eine Tatsache, dass die Politik in Deutschland und Europa entscheidende Weichen in den nächsten Jahren stellen muss, um Massenarbeitslosigkeit, Verarmung und der Überalterung in bestimmten Regionen entgegenzuwirken, um zukünftigen Generationen die Chancen auf Arbeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nicht von vornherein zu versagen.
Die Tagung hat dazu detailliert einen Forderungskatalog verabschiedet, adressiert an die Landesregierung Brandenburg und die Bundesregierung.
Wir alle müssen uns stärker engagieren, damit Deutschland sozial für seine Bürgerinnen und Bürger bleibt. Auch wenn Organisationen, Interessenverbände und Vereine gegenwärtig überfordert scheinen mit den vielschichtigen sozialen Problemen unserer Gesellschaft, so sollten wir sie doch erhalten und stärken.
Seit sechs Jahren bin ich tätig in der BARMER-Versichertenvereinigung und als ehrenamtliche Versichertenberaterin der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte und unterstütze damit ehrenamtlich die Arbeit für Versicherte.
Es ist eine gute Sache den Menschen bei mehr oder manchmal auch weniger komplizierten Angelegenheiten Hilfe, Unterstützung und Verständnis geben zu können. Es erspart Ihnen den Weg zur Auskunfts- und Beratungsstelle, sie sind unbefangener mit ihren Fragen.

Ingrid Bickel
Mitarbeiterin im Kundencenter der BARMER
Versichertenberaterin der BfA für die BARMER-Versichertenvereinigung
Dresden Neustadt


 

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