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  STARTSEITE » Meldungen + Meinungen » Ausgabe 2011/06 » Kapitalgedeckte Pflegeversicherung

Meldungen + Meinungen

Kapitalgedeckte Pflegeversicherung

Kapitaldeckung heißt nichts Anderes als durch Sparen aus laufendem Einkommen einen Kapitalstock für das Alter zu bilden, der verzinst wird. Wenn der Pflegefall eintritt, wird das Kapital verkauft und die Erträge werden dafür eingesetzt, die Pflegeleistungen zu finanzieren. Wenn ein Individuum das macht, muss es abschätzen, wie alt es wird und wie hoch der künftige Pflegeaufwand sein wird, um genügend Kapital zu bilden. Dazu muss man schon Hellseher sein.

Dann muss man natürlich hoffen, dass nicht gleichzeitig alle anderen Menschen ihre Wertpapiere verkaufen wollen, denn dann verfallen die Preise. Genau das ist bei demographischem Altern aber zu erwarten. Für Inflation muss man natürlich auch vorsorgen und zusätzlich fest daran glauben, dass Kapitalmarktanlagen sicher sind. Diese Glaubensfestigkeit hilft bei tatsächlichen Finanzkrisen aber nicht.

Was einem Einzelnen bei Eintreffen aller positiven Annahmen noch gelingen könnte, misslingt aber einer Volkswirtschaft insgesamt: Sie kann nicht für die Zukunft sparen, sondern immer nur verbrauchen (oder investieren), was in der jeweiligen Periode produziert wird. Ob Ansprüche aufgrund von Kapitalanlagen oder aufgrund des Umlageprinzips bestehen, ist aus güterwirtschaftlicher Sicht so gut wie gleichgültig.

Trotz dieser Gesetze der ökonomischen Logik hält die Koalition unverdrossen an ihren Plänen fest, zumindest eine ergänzende Kapitaldeckung einzuführen. Was das heißt, bleibt bisher unklar. In den letzten Wochen wurde zumindest "verlautbart", dass es keine individuelle, freiwillige Versicherung sein soll, sondern ein kollektiver Fonds gebildet werden soll. Ob als Sondervermögen, beim Spitzenverband – GKV oder bei einzelnen Kassen oder unter Einbeziehung der privaten Versicherungswirtschaft , alles bisher offen. Natürlich wittert die Versicherungswirtschaft ein großartiges, neues Geschäftsfeld. Ob es den Versicherten dient, ist mehr als fraglich, denn ohne Beitragserhöhung würde auch ein kollektiver Fonds nicht aufgebaut werden können. Wenn über Beiträge auch noch Versicherungsgebühren und Profite der Versicherungswirtschaft finanziert werden sollen, wird es noch teurer. Vernünftig ist das nicht, aber ob sich die Vernunft durchsetzt, werden die nächsten Monate zeigen.



 

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