Von der Pille bis zum KaiserschnittFrauenkörper zwischen Selbstbestimmung und Medikalisierung
Rede von Ulrike Hauffe zur Jubiläumstagung der Gesellschaft für
Geburtsvorbereitung und Familienbildung e.V. (GfG) "Am Anfang war Geburt" Berlin, 09.10.2010 Um es gleich zu allererst zu sagen: Mein Fazit wird nicht sehr optimistisch ausfallen – gleichwohl bin ich nicht entmutigt. Kein bisschen. Mehr denn je – und in diesen Tagen ganz besonders – bin ich stolz und dankbar, zu den Gründungsfrauen der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung gehören zu dürfen. Mehr denn je halte ich die GfG für eine unverzichtbare Bastion im Kampf gegen die rasant zunehmende Pathologisierung und Medikalisierung von Frauen. Die Haltung, aus der heraus sie vor 30 Jahren entstanden ist, ist aktueller und wichtiger denn je. An dieser Stelle also herzlichen Glückwunsch! Ihr, Sie, wir alle können stolz auf uns sein. Unser Weg geht weiter. Er war steinig und er wird es bleiben. Aber das seid ihr, das sind Sie und das bin ich gewohnt. Von der Pille bis zum Kaiserschnitt – Frauenkörper zwischen Selbstbestimmung und Medikalisierung lautet der Titel meines Vortrags, da steckt schon alles drin. Mit der Pille hat alles angefangen: die sexuelle Selbstbestimmtheit von Frauen, aber auch die Medikalisierung ihres Körpers. Der Kaiserschnitt mit seinen derzeitigen Raten von rund 30 Prozent und mehr markiert die aktuelle Position dieser Entwicklung: auch er mag für manche Selbstbestimmtheit bedeuten, in meinen Augen ist er aber in seiner inzwischen wahllosen Anwendung Macht- oder besser Entmachtungsinstrument. Die GfG stand und steht hier auf der Seite der Frauen und ihrer Selbstbestimmung, ihrer Fähigkeit zu gebären. Doch der Reihe nach. Als das deutsche Pharmaunternehmen Schering 1961 die erste europäische Verhütungs-Pille "Anovlar" auf den Markt bringt, ist das keine Sensation, im Gegenteil. Schering machte wenig Werbung für das neue Produkt, und die empfängnisverhütende Funktion galt als Nebenwirkung und wurde öffentlich nicht benannt. Aufgabe von "Anovlar" war die "Ruhigstellung des Ovariums", lindernd einzusetzen für dieses und jenes. Allein der Schlusssatz im Beipackzettel lautete: "Allerdings ist eine Empfängnis unter regelmäßiger Einnahme von Anovlar nicht möglich" 1 . Die Revolution kam im Nebensatz und blieb lange unentdeckt. Erst in der zweiten Hälfte der 60er Jahre begann der Siegeszug der Pille: 1966 nahmen knapp drei Prozent der bundesdeutschen Frauen die Pille, fünf Jahre später waren es bereits 25 Prozent. Heute nehmen knapp 60 Prozent der Frauen zwischen 20 und 44 die Pille. [...] Lesen Sie hier die gesamte Rede von Ulrike Haufe als PDF-Datei. |
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